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Presse
aktuelles Buch | Ausstellung
Berliner Zeitung Nr. 145 vom 25.06.2003
Aischa vom Tal der Rosen
Hilmi Abbas stellte im Roten Salon >>Das ungeschriebene Buch der Kurden<< vor.
von Martin Zähringer
Lernen aus dem was uns die alten Völker übermittelt haben. Für den kurdischen Arzt und Autor Hilmi Abbas (geb. 1922), der seit 1947 mit seiner schwäbischen Frau in Ravensburg lebt , ist dies die >>Quintessenz<< einer jahrzehntelangen Arbeit an den kurdischen Mythen und Legenden , die jetzt als >>Das ungeschriebene Buch der Kurden<< erschienen sind. So hat er es als Vertreter der >>Gilde der Erzähler<< -am Sonnabend im Roten Salon der Volksbühne auf den Punkt gebracht. Die Regisseurin und Schauspielerin Berivan Kaya hat für diesen Anlass die von Abbas ins deutsche übersetzen alten Lieder in eine szenische-musikalische Darstellung einbezogen. Sie präsentierte- begleitet von eigens komponierter Musik- eine Collage aus Gedichten, Tanz- und Klangelementen, die ihren Ursprung in Gedichten jesidischer Kurden und altkurdischen Kampf- und Liebesliedern haben.
Versionen in Fleisch und Blut.
>>Aischa vom Tal der Rosen<< etwa, inszeniert als Schleiertanz, schien doch mehr zu sein als erotisches Beiwerk oder gar orientalische Sinnlichkeit. Auch das Klagelied gegen Mord und Gewalt brachte eine eher diesseitige Vorstellung von kulturellen Wurzeln zum Ausdruck, eine Version in Fleisch und Blut. Im kurdischen Mythos, wie er im Buch von Hilmi Abbas niedergeschrieben ist, gibt es - noch >>vor jedem Beginn<< - den >>uralten heiligen Vater<< an den sich ein tiefes religiöses Erinnern und Wünschen knüpft.
Für Hilmi Abbas stellt diese Göttlichkeit auch einen identitätsstiftenden Fluchtpunkt dar, nicht nur im Kontext der kulturellen Überlieferung, die nach seiner Auffassung immerhin die drei großen kulturrevolutionären Zäsuren Islam, Christentum und Mongolenherrschaft in reiner Form überstanden hat. Leider geraten die Menschen aber in den kurdischen Überlieferungen in die >>Kette der Folgen<< , und wie das nun heutzutage konkret für die Kurden aussieht , konnte man in der letzten Woche auf dem 2. Kurdischen Filmfest in den Kinos Babylon und Eiszeit studieren. Es wirkte, als ob auf der Bühne des Roten Salons eine Art repräsentativer künstlerischer Dialog durchschien: Zwischen dem politisch- kulturellen Anliegen der heutigen Generation und dem Hauptansinnen von Hilmi Abbas den tradierten alten Schatz der Kurden in einer reinen Überlieferung zu bewahren , flackert der dringende Protest gegen die gewalttätige Unterdrückung des kurdischen Volkes .
Auf der Bühne war dies sinnlich zu erleben. Durchweg sinnlich ist ja auch die mündliche Überlieferung, die zudem noch von Hilmi Abbas in der wohlklingenden medischen Sprache zur Aufführung gebracht wurde, leider nur hin knappen Proben(auf die deutsche übertragung wurde übrigens größte Sorgfalt verwandt). Das Medische - laut Hilmi Abbas die Geburtssprache des Kurdischen - ist die Sprache, in der die alten Lieder der Kurden über Jahrtausende überliefert wurden, gesungen. Abbas - Abkömmling der Abbasiden in ( Bagdad Harun ar-Raschid, gest. 809) - wurde schon als Kind dazu angehalten , diese Gesänge auswendig zu lernen.
Nicht angehalten wurde er allerdings dazu , sie zu übersetzen. Das wurde ihm vom Vater dem Chef des Clans , direkt verboten, so dass er erst nach dessen Tod selbst entscheiden konnte, was mit dem alten Kulturgut gescehen soll. Die Entscheidung fiel für die Übersetzung und den Text als ein >> kulturelles Dokument, ein Geschenk an die Kulturen <<. Sie wurde an diesem Abend mit Beifall bestätigt. Mit Spannung erwartet wird ein weiterer Schatz, die 300 vorislamischen Märchen, die auch zur alten kurdischen Kultur und zu den Mythen und Legenden gehören. Sie liegen noch in Ravensburg in der Werkstatt.
Schwäbische Zeitung vom 24.07.2003/Nr. 168
Vom Reichtum einer starken Persönlichkeit
Wilhelmsdorf - Eine große Gemeinde von Patienten und Bewunderern pilgerte nach Höhreute bei Wilhelmsdorf. Ihr Kommen galt einer besonderen Vernissage: Der Arzt und Heilpraktiker Hilmi Abbas zeigte in seiner Galerie >>Wanne<< die Bilder, die er in den vergangenen sechs Jahrzehnten gemalt hat.
(von Dorothee L. Schaefer)
Hilmi Abbas ist vieles in einer Person: Als in Ägypten ausgebildeter Arzt ist er geschult im Wissen um den menschlichen Organismus, als Heilpraktiker ist er in der Augendiagnose und Akupunktur bewandert, kennt sich in der homöopathischen Medizin aus und ist Vertreter der sanften, geduldigen Behandlungsweise. Der Schulmedizin gegenüber nicht völlig ablehnend eingestellt, gilt sie für ihn gleichwohl nicht als >>ultima ratio<<.
Der zierliche, weißhaarige Achtzigjährige mit den tiefschwarzen Augen ist aber auch Maler. Angeregt durch sein Medizinstudium in Kairo, wo es zur Prüfungsaufgabe gehörte, die besonderen Formen eines anatomischen Gewebes haargenau wiederzugeben, faszinierte ihn schon früh die Welt der Farben und Formen. Ihr blieb er ein Leben lang treu. >>Nur meine Patienten waren mir ebenso wichtig<<, meint er lächelnd.
Vater war kurdischer Fürst
Abbas Vater war ein kurdischer Fürst, seine Mutter Österreicherin. Mit seinen Brüdern ist er in Kurdistan aufgewachsen. Die feinbestickte vielfarbige Mütze eines kurdischen Führers trägt er mit Stolz und einer gewissen Wehmut. >>Wir sind 21 Millionen Menschen, unterdrückte Menschen ohne Land<<, sagte er in seiner Ansprache. Die Geschichte der Kurden wurde nur mündlich weitergegeben. Um diese vom Vergessen bedrohten Geschichten zu bewahren, hat er ein Buch geschrieben. Es ist in schöner Aufmachung beim DiederichsVerlag erschienen und versammelt 60 Erzählungen kurdischer Mythen und Schöpfungsgeschichte in einer sehr bildhaften, gleichsam archaischen Sprache.
Urzeitliche, visionäre Welt
Beim Lesen fühlt man sich in eine urzeitliche, visionäre Zeit versetzt. In das Programm des Verlags mit seiner Reihe >>Märchen dieser Welt<< fügt sich das Buch bestens ein. Seine Vorstellung in Berlin durch den Regisseur Frank Guthke, der in Höhreute die Laudatio hielt, war ein großer Erfolg. >>Der Verlag ist mit einer hohen Auflage eingestiegen<<, freut sich Hilmi Abbas, und seine Augen blitzen. Man merkt, dass ihn der Erfolg nach der ungeheuren Anstrengung, die alle diese Projekte ihm abforderten, beflügelt.
Mit seinen Bildern macht er es dem Betrachter scheinbar leicht. In ihren kräftigen, harmonischen Farben, in ihrer Spachteltechnik oder in breit ausgestrichener Ölfarbe oder kleinfigürlich auf Goldgrun sind sie weder zeitgebunden noch zeitgenössisch. Es ist eine leichte Abstraktion, die bei verschiedenen Stilen des vorigen Jahrhunderts Anleihe macht und dennoch thematisch und formal eigenwillig ist. Jedoch steckt hinter seinem Farbenkanon eine tiefverzwurzelte Symbolik - die Mythen der Kurden- und die christliche Religion, denn Abbas ist Christ. >>Menschen ohne Glauben sind Ungeheuer<<, formuliert er seine Lebensüberzeugung.
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